Eine Woche am Bodensee
- martin

- 13. Apr.
- 3 Min. Lesezeit
Aktualisiert: 17. Apr.
Meine neue Freundin und ich haben uns zu unserem ersten gemeinsamen Urlaub committed. Fliegen? Nö! Wetter in Deutschland? Bescheiden! Aber wir wollen was erleben, also ab ins Wellnesshotel mit Spabereich. Hier können wir bei Scheißwetter in die Sauna und den beheizten Outdoorpool. Wenn die Sonne lacht schauen wir uns die Umgebung an.
Check! High Five! Koffer packen, abfahrt!
Ich habe in letzter Zeit als Quereinsteiger in einer komplett neuen Branche viel gearbeitet und noch mehr gelernt. Deshalb habe ich mich kurzerhand dazu entschlossen mal wieder auf mein Bauchgefühl zu hören, meinen Job zu kündigen und mir eine kleine berufliche Auszeit zu gönnen um alles zu verarbeiten. Nach einem sehr angenehmen Vollrausch und der Neukalibrierung meines inneren Kompass habe ich ein Hobby wiederentdeckt, an dem ich schon oft gescheitert bin: Fotografie! Mit der festen Überzeugung einfach kein Talent in diesem Bereich zu haben habe ich mich hinreißen lassen - da ich ja jetzt arbeitslos bin - Talent durch harte Arbeit zu ersetzen und zu schauen was passiert. Geil.
Nach dem intensiven Studium von drei YouTube Tutorials und des Erlernens der drei einfachen Grundregeln bin ich mit meinem Handy bewaffnet also eine Woche lang mit offenen Augen durch die Vierländerregion Bodensee kutschiert worden (danke dafür!) - mit offenen Augen für Motive in der Ferne, Nähe und Makroperspektive.
Das Wetter war viel besser als gemeldet (Überraschung), das Hotel und Essen waren der Hammer (wie erwartet), und meine Fotografenskillz sind von Tag zu Tag gereift (Oha). Eine Tageshälfte wird genutzt um zu relaxen, lesen und sich im warmen Wasser und der Sauna wieder zu fühlen wie in Mamas Bauch. In der anderen Tageshälfte unternehmen wir Ausflüge in die Tripadvisor Top 10 Spots. So hat es sich ergeben, dass wir im UNESCO Weltkulturerbe die legendären Pfahlbauten durch eine Zeit Maschine bereisen durften, in Konstanz Käsespätzle gegessen haben, über die Blumeninsel Mainau spaziert sind, in der Senft Destillerie schoppen waren und in Meersburg gechillt haben.
Den ganzen Tag halte ich die Augen nach Motiven offen und erinnere mich an den goldenen Schnitt, Vordergründe und Hintergründe, Farben und Stimmungen. Was hierbei passiert ist fast schon meditativ und ich kann die "Faszination Foto" immer besser begreifen: Ich laufe nämlich nicht mehr durch eine Stadt und bin in Gedanken in meiner To-Do-Liste und damit beschäftigt was ich noch für den nächsten Tag oder die kommende Woche vorbereiten muss. Ich bin jetzt genau 89 Zentimeter über meinem süßen Revuearsch und total im Hier und Jetzt.
Achtung - Weisheit Incoming: Wer im Außen sucht, findet im Innen. Krass!
Ok, ich habe also ein neues Hobby gefunden, oder anders: ein Hobby an dem ich mehrfach gescheitert bin wiederentdeckt. Vielleicht klappts ja jetzt auch mit der Gitarre? Oh, Scheiße, die habe ich ja grade bei Kleinanzeigen verkauft. Egal. Bleiben wir erstmal beim Fotografieren. Ich bin so hyped, dass ich noch fehlendes Talent jetzt wie gewohnt durch hochpreisiges Equipment kompensieren möchte und habe die Leica D LUX 8 im Auge. Aber die fällt erst wenn ich der Fotografie eine Weile treu bleibe, da ich gerne jede Woche ein anders Hobby habe. Consistency und so.
Fazit und nächste Schritte
Fotografieren ist geil, meditativ und erholsam. Außerdem sind Fotos wie Musik: ein Zeitkonservator. Schreibt man einen Song und hört ihn Jahre später, kommt man sofort wieder in diesen Moment zurück. Das passiert mir auch bei Fotos. Ich will dem Fotografieren erstmal treu bleiben. Ich bin jetzt auch Fotograf. Geil, geil, geil!
Schade nur, dass im Kloster nächste Woche Handyverbot ist. Vielleicht schaffe ich es ja heimlich trotzdem ein paar Eindrücke fotografisch fest zu halten, um mich später daran zu erinnern. Achso, ja, ich gehe ins Kloster. Eine Woche Retreat zum weiter runterkommen, entspannen und neues zu lernen. Es geht ja um Balance!













